Wer überwacht die Data Governance im Gesundheitswesen in der EU?
Ein EU-fokussierter Überblick darüber, wer Data Governance im Gesundheitswesen überwacht, von Datenschutzaufsichtsbehörden bis hin zu internen Rollen wie DSBs (DPOs), Data Ownern und Data Stewards. Erfahren Sie, wo Monitoring und Aufsicht in der Praxis häufig scheitern und wie Gesundheitsorganisationen eine belastbare, auditfähige Governance-Aufsicht aufbauen können.
Alexandra Popa
1/23/20263 min lesen


Im europäischen Gesundheitswesen wird Data Governance nicht von einer einzigen Behörde, Rolle oder Abteilung überwacht.
Das ist zugleich Stärke und Schwäche des Systems.
Gesundheitsorganisationen unterliegen in der EU einigen der strengsten Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit. Und dennoch fällt es vielen schwer, eine grundlegende Frage zu beantworten:
Wer ist tatsächlich dafür verantwortlich zu überwachen, ob Data Governance in der Praxis funktioniert?
Dieser Artikel erläutert, wer Data Governance im EU-Gesundheitswesen überwacht, wie Verantwortlichkeiten verteilt sind und wo Organisationen ihr Risiko am häufigsten unterschätzen.
Ein bewusst komplexes regulatorisches Umfeld:
DSGVOund nationale Gesundheitsdatengesetze
Regulierung von Medizinprodukten und klinischen Studien
Neue Rahmenwerke wie der EU Data Act und der EU AI Act
Berufsgeheimnis und ethische Verpflichtungen
Infolgedessen ist die Überwachung von Governance bewusst verteilt und nicht zentralisiert.
Keine einzelne Stelle hat standardmäßig den vollständigen Überblick.
Externe Kontrolle: Wer überwacht Data Governance im Gesundheitswesen von außen?
Datenschutzaufsichtsbehörden (DPAs)
Nationale Datenschutzaufsichtsbehörden sind die wichtigsten externen Durchsetzungsinstanzen der DSGVO im Gesundheitswesen.
Sie überwachen unter anderem:
die rechtmäßige Verarbeitung personenbezogener Daten und Gesundheitsdaten
Einwilligungen und Rechtsgrundlagen
Betroffenenrechte
Sicherheitsmaßnahmen und das Handling von Datenschutzvorfällen
DPAs werden meist aktiv:
nach Beschwerden
nach Vorfällen
im Rahmen von Audits oder Untersuchungen
Sie überwachen nicht die tägliche Governance. Sie prüfen Ergebnisse und Nachweise.
Gesundheitsbehörden und Aufsichtsgremien
Je nach Land können Gesundheitsaufsichtsbehörden prüfen:
Datenintegrität in klinischen Systemen
Nachvollziehbarkeit von Aufzeichnungen
Einhaltung branchenspezifischer Vorgaben
Ihr Fokus liegt häufig auf Patientensicherheit und Versorgungsqualität, doch Governance-Mängel werden in solchen Prüfungen oft sichtbar.
Benannte Stellen und Auditoren
Für Organisationen, die in folgenden Bereichen tätig sind:
klinische Studien
Medizinprodukte
digitale Gesundheitslösungen
prüfen externe Auditoren und benannte Stellen unter anderem:
Datenmanagement-Praktiken
Dokumentation und Nachvollziehbarkeit
Governance-Kontrollen, die für Zertifizierungen relevant sind
Sie sind keine Governance-Owner, decken aber häufig Governance-Schwächen auf.
Interne Überwachung: Wo Governance wirklich gelebt wird oder scheitert
Externe Aufsicht funktioniert nur, wenn es auch interne Überwachung gibt.
In der Praxis stützen sich EU-Gesundheitsorganisationen auf eine Kombination verschiedener Rollen.
Datenschutzbeauftragte (DSBs / DPOs)
DSBs spielen eine zentrale Rolle bei der Überwachung der DSGVO-Compliance.
Typischerweise:
beraten sie zur rechtmäßigen Verarbeitung
prüfen sie Aktivitäten mit hohem Risiko
begleiten bzw. überwachen DPIAs
fungieren sie als Ansprechstelle für Datenschutzaufsichtsbehörden (DPAs)
DSBs überwachen jedoch nicht alle Aspekte von Data Governance, zum Beispiel:
Datenqualität
semantische Konsistenz
nachgelagerte Weiterverwendung (Downstream Reuse)
operative Datenflüsse
Zu erwarten, dass der DSB „Governance verantwortet“, ist ein häufiger Fehler.
Informationssicherheit und Risikofunktionen
Security- und Risk-Teams überwachen:
Zugriffskontrollen
Incident Handling
Systemintegrität
Sie sind essenziell, aber Governance ist breiter als Sicherheit. Ein System kann sicher sein und dennoch Daten falsch oder unangemessen nutzen.
Data Owner
Data Owner sind für bestimmte Datensätze oder Domänen verantwortlich, z. B.:
Patientenakten
Forschungsdaten
operative Systeme
Sie überwachen Governance lokal. Das ist notwendig, aber nicht ausreichend.
Data Owner sehen selten die Auswirkungen über Systemgrenzen hinweg.
Data Stewards: die fehlende Monitoring-Schicht
In reifen Gesundheitsorganisationen übernehmen Data Stewards die zentrale Monitoring-Rolle.
Sie:
prüfen, ob Governance-Regeln konsistent angewendet werden
erkennen semantische Drift zwischen Systemen
identifizieren Downstream-Risiken
validieren Nachvollziehbarkeit (Traceability) und Auditierbarkeit
machen Probleme früh sichtbar, ohne Schuldzuweisung
Stewards ersetzen weder Data Owner noch DSBs. Sie verbinden sie.
Wo Stewardship fehlt oder zu schwach aufgestellt ist, fragmentiert das Governance-Monitoring
Warum Monitoring in Gesundheitsorganisationen scheitert
Aus der Praxis zeigen sich Ausfälle meist nach wiederkehrenden Mustern:
Governance existiert, aber niemand prüft die Umsetzung
Policies sind verabschiedet, Vorlagen sind vorhanden. Doch niemand verifiziert, wie Regeln in den realen Systemen tatsächlich angewendet werden.
Monitoring ist in Silos organisiert
Datenschutz prüft das eine, Informationssicherheit das andere. Klinische Teams fokussieren sich auf die Versorgung. Das Gesamtbild sieht niemand.
Zuständigkeiten und Autorität sind unklar
Stewardship- oder Governance-Rollen existieren, können Data Owner jedoch nicht challengen oder Themen wirksam eskalieren.
Monitoring ohne Autorität bleibt Beobachtung, nicht Steuerung.
Nachweise entstehen erst während Audits
Wenn Monitoring auf manueller Evidenzsammlung unter Druck basiert, ist Governance bereits fragil.
Was Aufsichtsbehörden tatsächlich erwarten
EU-Aufsichtsbehörden erwarten im Gesundheitswesen keine Fehlerfreiheit.
Sie erwarten:
klare Verantwortlichkeiten
nachvollziehbare Entscheidungen
Nachweise für Monitoring
dokumentierte Remediation
Deutlich problematischer sind aus ihrer Sicht:
verdeckte Probleme
unklare Zuständigkeiten
widersprüchliche Erklärungen
Monitoring bedeutet, Absicht und Kontrolle nachweisen zu können, nicht Perfektion.
Wie EU-Gesundheitsorganisationen über Monitoring nachdenken sollten
Wirksames Monitoring erfordert:
klare Governance-Regeln
benannte Data Owner
befugte und wirksam aufgestellte Data Stewards
unabhängige Aufsicht durch den DSB (DPO)
integrierte Audit-Logs und Nachvollziehbarkeit (Traceability)
Monitoring ist keine einzelne Rolle. Es ist ein Zusammenspiel mehrerer Rollen, jeweils mit klar definiertem Mandat.
Fehlt auch nur eine dieser Ebenen, entstehen Schwachpunkte.
Ein einfacher Selbst-Check
Stellen Sie sich folgende Frage:
Wenn heute ein Data-Governance-Problem auftritt: Wer würde es als Erstes entdecken, wer würde es untersuchen und wer wäre dafür verantwortlich, es zu beheben?
Wenn die Antwort unklar ist, ist Ihr Governance-Monitoring noch nicht ausreichend ausgereift.
So unterstützen wir
Wir unterstützen EU-Gesundheitsorganisationen mit:
Governance- und Compliance-Assessments
Design und Stärkung von Stewardship-Rollen
Readiness für DSGVO, EU Data Act und EU AI Act
informellen Audits mit Fokus auf Nachvollziehbarkeit und Verantwortlichkeit
der Übersetzung regulatorischer Erwartungen in operative Realität
Wenn Sie Klarheit darüber möchten, wer in Ihrer Organisation was überwacht und wo Lücken bestehen, können Sie ein Kennenlerngespräch buchen oder ein informelles Governance-Assessment anfragen.
Das ist oft der schnellste Weg, regulatorischen Druck in Sicherheit und Handlungsfähigkeit zu verwandeln.
Wie wir Sie unterstützen können
Erfahren Sie, wie unser Service „Strategie & Governance“ Ihnen hilft, Datenstrategie, Governance und Umsetzung in der Praxis in Einklang zu bringen.

