Welche zentralen Bestimmungen des EU Data Act gelten für Cloud-Service-Provider?
Ein praxisnaher Überblick über den EU Data Act für Cloud-Service-Provider, mit Fokus auf zentrale Pflichten rund um Datenzugang, Portabilität und Anbieterwechsel (Switching). Erfahren Sie, wo Provider in der Praxis am stärksten exponiert sind, welche typischen Compliance-Fallstricke auftreten und wie sich regulatorische Anforderungen in skalierbare, belastbare Prozesse übersetzen lassen.
Alexandra Popa
1/16/20264 min lesen


Für Cloud-Service-Provider ist der EU Data Act nicht einfach nur ein weiterer Regulierungstext, den man an Legal weiterreicht.
Er verändert Erwartungen rund um Kontrolle, Portabilität, Interoperabilität und Kundenmacht, und das wirkt sich direkt auf Produktdesign, Verträge und Operating Models aus.
Viele Provider stellen fest: Auch wenn sie technisch DSGVO-konform sind, sind sie strukturell auf den Data Act nicht vorbereitet.
Dieser Artikel hebt die wichtigsten Bestimmungen hervor, die Cloud-Provider verstehen müssen, wo Unternehmen die Auswirkungen typischerweise unterschätzen und was in der Praxis häufig schiefgeht.
Warum der EU Data Act speziell für Cloud-Provider relevant ist
Der EU Data Act zielt darauf ab, Machtverhältnisse neu auszubalancieren.
Während die DSGVO auf personenbezogene Daten und rechtmäßige Verarbeitung fokussiert, geht es im Data Act stärker um:
Zugang zu Daten
Kontrolle über die Datennutzung
Portabilität zwischen Providern
Vermeidung von Vendor Lock-in
Für Cloud-Service-Provider betrifft das direkt:
Infrastructure as a Service (IaaS)
Platform as a Service (PaaS)
Software as a Service (SaaS)
Data Hosting, Analytics und Managed Services
Wenn Ihr Geschäftsmodell davon lebt, dass Kunden bleiben, weil Weggehen schwierig ist, ist der Data Act sehr direkt auf Sie ausgerichtet.
1. Pflichten zu Switching und Portabilität
Was der Data Act verlangt
Cloud-Provider müssen:
Kunden den Anbieterwechsel ermöglichen oder Workloads zurück on-prem verlagern lassen
Hürden für den Wechsel abbauen
klare Exit-Prozesse bereitstellen
Datenportabilität in nutzbaren Formaten sicherstellen
Switching-Gebühren schrittweise abbauen
Wo Provider exponiert sind
Viele Provider gehen davon aus:
„Wir erlauben doch bereits den Datenexport.“
Das reicht selten aus.
Typische Probleme:
undokumentierte Abhängigkeiten
proprietäre Formate
fehlende Metadaten
unklare Zeitpläne
manuelle Prozesse, die nicht skalieren
Aus regulatorischer Sicht ist „Friction by Design“ nicht neutral.
2. Interoperabilität und technische Transparenz
Was der Data Act verlangt
Cloud-Services müssen unterstützen:
Interoperabilität mit anderen Providern
Kompatibilität mit offenen Standards, wo möglich
ausreichende technische Dokumentation, um Migration zu ermöglichen
Das gilt besonders für PaaS- und SaaS-Angebote.
Typischer Fallstrick
Provider dokumentieren APIs, aber nicht:
Transformationslogik
Service-Abhängigkeiten
Konfigurationsannahmen
Daten-Semantik
In der Praxis heißt das: Kunden können Daten technisch extrahieren, aber Funktionalität woanders nicht realistisch nachbauen.
Genau diese Lücke soll der Data Act schließen.
3. Vertragliche Fairness und Transparenz
Was der Data Act verlangt
Verträge müssen klar regeln:
Zugangsrechte zu Daten
Bedingungen der Datennutzung
Grenzen für einseitige Änderungen
Exit- und Switching-Bedingungen
Klauseln, die unangemessen einseitig sind, können unwirksam werden.
Was oft schiefgeht
Cloud-Verträge:
reservieren sehr weitgehende einseitige Änderungsrechte
verstecken Exit-Bedingungen in Anhängen
setzen auf Mehrdeutigkeit statt Klarheit
Unter dem Data Act wird Mehrdeutigkeit zum Risiko, nicht zur Flexibilität.
4. Datenzugang und Sharing mit Dritten
Was der Data Act verlangt
Kunden müssen in der Lage sein:
auf ihre Daten zuzugreifen
sie mit Dritten ihrer Wahl zu teilen
ohne unnötige Verzögerung oder Diskriminierung
Das betrifft je nach Kontext sowohl Rohdaten als auch abgeleitete Daten.
Praktische Warnung
Viele Provider wissen faktisch nicht:
welche Daten sie pro Kunde halten
wo diese repliziert werden
wie sie durch nachgelagerte Services fließen
Ohne solides Dateninventar und Lineage bleibt Compliance theoretisch.
5. Sicherheit und Schutz bleiben verpflichtend
Der Data Act senkt Sicherheitsanforderungen nicht.
Cloud-Provider müssen:
Daten während des Transfers schützen
sicherstellen, dass Zugriff autorisiert ist
unrechtmäßigen Zugriff durch Dritte verhindern
Dazu gehört, wo relevant, auch der Umgang mit unrechtmäßigen staatlichen Zugriffsanfragen.
Sicherheit darf jedoch nicht als Vorwand genutzt werden, um legitime Portabilität zu verweigern.
6. Schluss mit „Schreiben Sie uns eine E-Mail, dann schicken wir eine Datei“
Eine der am stärksten unterschätzten Verschiebungen ist die Erwartung an Skalierbarkeit.
Manuelle Prozesse mögen für wenige Kunden technisch genügen. Im Geist der Regulierung genügen sie nicht, wenn Tausende Zugriff oder Migration anfragen.
Wenn Ihr Prozess auf Folgendem basiert:
Support-Tickets
manuellen Exports
ad-hoc Freigaben
dann sind Sie sehr wahrscheinlich exponiert.
Der Data Act setzt auf wiederholbare, skalierbare Mechanismen, nicht auf heldenhafte Support-Arbeit.
Die unbequeme Wahrheit für Cloud-Provider
Der EU Data Act zwingt Provider, Fragen zu beantworten, die oft lange umgangen wurden:
Wissen wir wirklich, welche Daten wir halten und wo?
Können Kunden gehen, ohne dass Engineering eingreifen muss?
Nutzen wir Reibung als Retention-Mechanismus?
Würden unsere Verträge einer Prüfung standhalten, wenn Macht ausgewogener verteilt wäre?
Nur auf Vertragsebene compliant sein zu wollen, ohne Systeme und Prozesse anzupassen, ist der Punkt, an dem viele Provider scheitern.
Worauf Regulierer achten werden
Basierend auf der Durchsetzung ähnlicher Regelwerke werden Regulierer besonders auf Folgendes schauen:
Nachvollziehbarkeit von Datenflüssen
Klarheit der Verträge
praktische Umsetzbarkeit von Switching
Evidenz einer echten Compliance-Absicht
dokumentierte Remediation, wenn Lücken entdeckt werden
Unvollkommene Systeme mit transparentem Verbesserungsplan werden eher akzeptiert als perfekte Statements bei fragiler Realität.
Wo Governance und Stewardship entscheidend werden
Für Cloud-Provider ist Data-Act-Compliance kein Einmalprojekt.
Sie erfordert:
klare Data Ownership
neutrale Data Stewardship
end-to-end Sichtbarkeit
dokumentierte Entscheidungen
Audit-Logs, die Verhalten zeigen, nicht nur Versprechen
Ohne das brechen Compliance-Bemühungen unter operationalem Druck oft zusammen.
Ein pragmatischer erster Schritt
Wenn Sie Cloud- oder Cloud-nahe Services anbieten, starten Sie mit einem fokussierten Assessment:
identifizieren, welche Daten Kunden heute tatsächlich abrufen können
Abhängigkeiten und versteckte Kopplungen mappen
ein Exit-Szenario end-to-end testen
Verträge gegen das reale Systemverhalten prüfen
Die Lücke zwischen „was der Vertrag sagt“ und „was das System tut“ ist der Ort, an dem das meiste Risiko lebt.
So unterstützen wir
Wir unterstützen Cloud-Service-Provider mit:
EU-Data-Act-Readiness-Assessments
Design von Governance und Stewardship
Reviews zu Portabilitäts- und Exit-Prozessen
informellen Audits im Hinblick auf kommende Durchsetzung
Übersetzung rechtlicher Pflichten in operative Realität
Wenn Sie verstehen möchten, wo Ihre größte Exponierung liegt, können Sie ein Kennenlerngespräch anfragen oder ein informelles Governance- und Data-Act-Assessment buchen.
Das ist meist der schnellste Weg, von Annahmen zu Klarheit zu kommen
Wie wir Sie unterstützen können
Unsere Audits & Daten-Compliance-Prüfungen helfen Organisationen, Compliance nachzuweisen, Unsicherheiten zu reduzieren und mit Sicherheit voranzugehen.

