Was bedeutet Data Governance?

Data Governance in einfacher Sprache erklärt für CEOs und Inhaber*innen von KMUs. Erfahren Sie, was es ist, warum es wichtig ist, wie Sie Lücken schnell erkennen und welche ersten 30-Tage-Schritte helfen, Klarheit aufzubauen, Risiken zu reduzieren und Vertrauen zu schützen.

Alexandra Popa

8/3/20254 min lesen

Die meisten Führungskräfte brauchen keine philosophische Definition von Data Governance. Sie brauchen eine einfache Antwort auf eine Frage:
Können wir unsere Daten nutzen, um das Unternehmen sicher zu steuern, ohne dabei aus Versehen Vertrauen, Recht oder die operative Realität zu verletzen?
Data Governance sorgt dafür, dass diese Antwort „ja“ lautet.

Eine Definition in klarer Sprache:

Data Governance beschreibt, wie ein Unternehmen Entscheidungsrechte und Verantwortlichkeit rund um Daten festlegt, damit Teams schnell und mit Sicherheit handeln können.

Sie umfasst, wer festlegt, was Daten bedeuten, wer Zugriff erhält, wie Daten genutzt werden dürfen, wie lange sie aufbewahrt werden, wie Qualität gesichert wird und wie all das durch Dokumentation und Auditierbarkeit belegbar ist.
Governance ist keine Papierarbeit um der Papierarbeit willen. Sie ist Klarheit, im Maßstab.

Was Governance nicht ist

Sie werden Data Governance oft mit anderen Themen gleichsetzen hören. Das führt zu Verwirrung und, ehrlich gesagt, zu schlechten Programmen.

  • Data Security schützt Daten vor unbefugtem Zugriff oder Verlust.

  • Data Quality sorgt dafür, dass Daten korrekt, vollständig, konsistent und zweckmäßig sind.

  • Compliance stellt sicher, dass rechtliche und regulatorische Anforderungen erfüllt werden.

  • Data Engineering baut Pipelines, Modelle und Plattformen, die Daten bewegen und transformieren.

Governance ist das Operating Model, das all das koordiniert. Es definiert Ownership, Regeln, Controls und Evidenz. Ohne Governance können Sie weiterhin kluge Engineers und gut gemeinte Teams haben, aber die Organisation verlässt sich auf implizites Wissen und Glück.


Das Versprechen an CEOs, COOs, Unternehmerinnen und Unternehmer

Governance schafft Klarheit. Zu jedem Zeitpunkt können Sie sagen, was Sie mit Daten sicher tun können, ohne Reputation zu riskieren, Kundenvertrauen zu verlieren oder Compliance-Probleme auszulösen.

Sie reduziert „Data Roulette“: die Situation, in der alles gut aussieht, bis ein Incident sichtbar macht, wie fragil das System eigentlich ist.

Schneller Diagnosetest: Pull One Thread

Wenn Sie wissen möchten, ob Governance in der Praxis existiert, wählen Sie eine einzelne Kennzahl auf einem Dashboard und stellen Sie die folgenden Fragen. Sie brauchen keine perfekten Antworten. Sie brauchen Antworten, die existieren, dokumentiert sind und „owned“ sind.

Beispiel-Kennzahl: Verkaufte Artikel

Fragen Sie:

  1. Scope und Zeitraum: Verkaufte Artikel pro Tag, Woche, Monat, Quartal? Welche Zeitzone?

  2. Business-Scope: Ein Werk oder alle Werke? Ein Land oder global?

  3. Definition: Zählen wir „verkauft“ bei Vertragsunterzeichnung, beim Versand oder bei Zahlung der Rechnung?

  4. Retouren: Wenn ein Kunde zurückgibt, ändert sich die Kennzahl? Wann und wie?

  5. Source of Truth: Welches System ist maßgeblich: ERP, CRM, E-Commerce, Warehouse?

  6. Lineage: Welche Transformationen passieren, bevor das im Dashboard erscheint?

  7. Ownership: Wer ist verantwortlich für die Definition und die Entscheidungsregeln?

  8. Controls: Was verhindert stille Änderungen, die Vergleichbarkeit über die Zeit zerstören?

Wenn Sie diese Fragen nicht beantworten können, haben Sie kein Datenproblem. Sie haben ein Governance-Problem.

Zwei typische Praxisfehler, die Governance verhindert
  1. Firmennamen als Keys verwenden

Ein Unternehmen nutzte den Firmennamen als Key über mehrere Systeme hinweg. Später wurden für E-Mail-Kampagnen die Namen gekürzt, und plötzlich war eine verlässliche Zuordnung nicht mehr möglich. Joins brachen, Reporting wurde unzuverlässig, Fixes wurden zu manueller Reparaturarbeit.

Ursache: keine end-to-end Prozessdiskussion und keine abgestimmte Identifier-Strategie.

Lösung: Einführung der CRM Company ID als Primary Key, dokumentiert und künftig konsequent genutzt.

Lektion: Identifier sind kein technisches Detail. Sie sind ein Business-Control. Eine Abkürzung kann Ihre interne Realität für Monate beschädigen.

  1. „Blacklist“ und „toxic“ Leads

Ein anderes Unternehmen behandelte „Kunde möchte nicht kontaktiert werden“ wie ein moralisches Fehlverhalten. Leads wurden als „toxic“ oder „blacklist“ markiert, und man verließ sich auf manuelle Checks, um sie aus Audiences herauszuhalten.

Ursache: schlechte Taxonomie, schwache Ethik und fehlende operative Kontrollen.

Lösung: Aufklärung plus ein sauberes „Do Not Contact“-Tag im CRM, das downstream automatisch durchgesetzt wird.

Lektion: Opt-out ist kein Defekt. Es ist eine Präferenz. Systeme sollten das automatisch respektieren, ohne manuellen Aufwand.

Ein praktisches Modell: drei Säulen der Governance

Governance kann unterschiedlich umgesetzt werden. Details variieren je nach Größe, Branche und Risikoprofil. Die Logik bleibt gleich:

  1. Legitimität: welche Daten Sie erheben dürfen und warum

  2. Kontrollierte Nutzung: wie Daten verarbeitet, geteilt, gesichert, aufbewahrt und zugänglich gemacht werden

  3. Verantwortlichkeit: wie Sie das durch Dokumentation, Nachvollziehbarkeit und Audit-Logs belegen

So bleibt Governance „vernünftig“: sie bleibt an Business Value und Risiko gekoppelt, nicht an endlose Dokumentation.

So sieht „gut“ in den ersten 30 Tagen aus

Sie brauchen kein Mehrjahresprogramm, um Wert zu sehen. In 30 Tagen umfasst ein Minimum Viable Governance Setup oft:

  1. Dateninventar: eine klare Liste der zentralen Datenassets, wo sie liegen, wer sie nutzt und welche Geschäftsprozesse davon abhängen.

  2. Data Dictionary: Definitionen in klarer Sprache für zentrale Entitäten und Kennzahlen, inklusive Business-Regeln (z.B. wie Returns „units sold“ beeinflussen).

  3. Datenklassifizierung: ein pragmatisches Klassifizierungssystem nach Domäne und Sensitivität, inkl. personenbezogener Daten, plus Handling-Regeln.

  4. RACI: Klare Zuständigkeiten: wer Responsible, Accountable, Consulted und Informed ist für Definitionen, Zugriff, Qualität und Changes.

Mit diesen vier Bausteinen hören Sie auf, sich auf Gedächtnis und informelle Gatekeeper zu verlassen. Sie schaffen Klarheit, die Wachstum, Personalwechsel, Migrationen und Audits übersteht.

Der Mindset-Shift, der Governance funktionieren lässt

Teams, die Governance erfolgreich umsetzen, behandeln sie nicht als externe Pflicht. Sie behandeln sie als Vertrauenssignal. Vertrauen kann man einmal verlieren. Danach ist es teuer, es zurückzugewinnen.

Kurzer Reality-Check gefällig?
Wenn Sie eine schnelle Einschätzung möchten, buchen Sie einen kurzen Call. Wir prüfen, ob Ihre Governance „scale-proof“ und „audit-proof“ ist und was der kleinste nächste Schritt ist, um Klarheit zu schaffen, ohne Ihre Teams zu verlangsamen.

Wie wir Sie unterstützen können

Erfahren Sie, wie unser Service „Strategie & Governance“ Ihnen hilft, Datenstrategie, Governance und Umsetzung in der Praxis in Einklang zu bringen.